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Abenteuer im Schnee

Mit "weißer Weihnacht" war‘s nichts im vergangenen Jahr, dafür jetzt mit "weißen Ostern". Am Ostermontag fielen auf dem Feldberg zwei bis fünf Millimeter Neuschnee. Während die meisten ihrer Freunde nun aber endgültig genug von der Kälte haben, liebt es Dietrich Bender, sich im Schnee aufzuhalten – egal, zu welcher Jahreszeit. Vor allen Dingen, wenn außer seiner Frau und Schlittenhunden niemand weit und breit zu sehen ist.

Von Doris Preusche

Hattersheim/Langenhain. Fast geräuschlos gleitet der Schlitten durch die Winterlandschaft. Nur das leise Schleifen der Kufen und das Hecheln der Huskies sind zu hören. Der Hundeschlittenfahrer, auch Musher genannt, steht auf den langen Kufen am Schlitten-Ende und erteilt hin und wieder lautstark Kommandos. Mit warmer Bekleidung und Skibrille als Schutz gegen die Kälte und aufwirbelnde Schneemassen gewappnet, lässt er sich durch die schneeweiße, teils unberührte Wildnis ziehen.

Von dieser ursprünglichsten Art, den eisigen Norden zu durchqueren, hat sich Dietrich Bender vor elf Jahren förmlich infizieren lassen. Über seine Erlebnisse in Lappland berichtet der Hattersheimer Gesamtschullehrer in seinem Buch "Huskies, Schnee und schnelle Kufen".

"Wir schenken uns selbst ein einmaliges Abenteuer zum 50. Geburtstag", dachten Dietrich Bender und seine Frau Sigrid. Und kaum waren die beiden in Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens, auf einem Tobbogan (Lastschlitten) gelandet, waren die skandinavien-erfahrenen Wanderer von ihrer ersten Wintertour der besonderen Art begeistert. Über eingefahrene Wege ging es auf der geführten Entdeckungsreise unter verschneiten Tannen hindurch, über zugefrorene Gewässer und auf hohe Berge mit Blick auf atemberaubende Gletscher. "Das ist ein fantastisches Erlebnis", beschreibt Bender die Fahrt auf den Langstrecken durch die Natur, von Hütte zu Hütte.

Erst Hund, dann Mensch

Noch mehr erstaunt, ja fast begeistert, äußert sich der Langenhainer in seinem Buch über seine Frau. Denn diese hatte eigentlich "mit Hunden nichts am Hut", sagt der langjährige Geografie- und Biologielehrer der Heinrich-Böll-Schule. Von den Berührungsängsten seiner Frau war in dem Moment nichts mehr zu spüren, als ihre tatkräftige Mitarbeit gefordert wurde. Denn das Ein- und Ausspannen bis zum Füttern der vierbeinigen Begleiter gehören zum Pflichtprogramm der Teilnehmer. Nach dem Motto "erst der Hund, dann der Mensch" werden nach einer anstrengenden Tagestour auch die temperamentvollen Vierbeiner versorgt. Erst dann wird in der Hütte der Holz- oder Gasofen angezündet, um anschließend ein gemeinsames Abendessen – meist landesübliche Kost – für die Schlittenführer zubereiten zu können.

35 Kilometer pro Stunde

Je nach Last und Wegbeschaffenheit können die kräftigen Tiere ein Tempo von bis zu 35 Kilometer pro Stunde erreichen. "Die Hunde rennen immer nur volle Pulle", sagt Dietrich Bender. Er weiß, dass ein Musher jederzeit sein Gespann im Auge behalten muss, damit der Schlitten nicht in das Rudel hineinrast. Auch ein verwegenes Abbiegemanöver, eine schnelle Abwärtsfahrt oder eine durchgehende Meute, die der Spur von Wildtieren folgen möchte, kann von der vorgegebenen Spur wegführen. So ist also neben dem Körpereinsatz – manchmal muss mitgeschoben werden – die Aufmerksamkeit gefordert. Und wenn das lautstarke Kommando "Wohoo" nichts mehr bringt, dann hilft meist nur noch die Gummi- oder Zackenbremse. Anfangs noch mit einem Vierergespann unterwegs, fährt der inzwischen 60-Jährige nun mit einem Sechser-Hundegespann. Es ist seine achte Tour. Während der Osterferien nimmt das Ehepaar Bender fünf Tage lang in den verschneiten schwedischen Wäldern Jämtlands abermals eine Auszeit und kann mit etwas Glück die zauberhaften Nordlichter erblicken.

"Huskies, Schnee und schnelle Kufen" ist im Conrad Stein Verlag erschienen. Es hat 176 Seiten inklusive Kartenskizzen und kostet 9,90 Euro. Dietrich Bender hat zwei weitere Bücher über seine Touren geschrieben: "Nach Norden Kinder!" und "Nordlicht über Helags".

 

Artikel vom 10. April 2012, 21.20 Uhr (letzte Änderung 11. April 2012, 04.07 Uhr)

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