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Hattersheim: Pädagogen halten die Camps für zukunftsträchtig

Welche Spuren die schulfreie Zeit während der Corona-Krise bei manchen Schülern hinterlassen hat, erklären Lehrkräfte der Heinrich-Böll-Schule.

Hattersheim -Mehrere Tage am Stück im Klassenzimmer sitzen - das hatten die Haupt- und Realschüler der Heinrich-Böll-Schule zuletzt Mitte März erlebt. Dann kam die Corona-Krise und mit ihr das Ende des vertrauten Unterrichtsalltags. Nun kehrte vorzeitig wieder Leben ins Schulgebäude ein. Viele Sechstklässler aus der Förderstufe drückten in dieser Woche erstmals wieder für einen längeren Zeitraum die Schulbank. Im ersten Sommercamp der Haupt- und Realschulen der Heinrich-Böll-Schule frischten sie von Montag bis Donnerstag ihr Wissen auf.

Die Nachfrage hätte nicht besser sein können. Kurz nachdem die Schule das Angebot verkündet hatte, wurde die maximale Teilnehmerzahl von 45 Personen erreicht. "Es war schwer zu sagen, wie groß die Bereitschaft in den Ferien sein würde", erklärt Sozialpädagoge Jonas Gräf, der das Camp organisierte. "Wir haben auf 15 gehofft und 45 kamen", ergänzt Centa Junghans, Leiterin des Realschulzweigs. Dieser Erfolg ist umso beachtlicher vor dem Hintergrund der kurzfristigen Planung. Das Kultusministerium habe erst vier Wochen vor den Ferien die Möglichkeit eines Sommercamps für die Jahrgänge 5 bis 10 eingeräumt, erzählt Centa Junghans. Eine Woche später sei die Einladung an die Eltern rausgegangen. Unter den Mitarbeitern habe es eine große Bereitschaft gegeben, das Sommercamp zu unterstützen. Acht Lehrkräfte paukten mit den freiwilligen Teilnehmern Mathematik, Deutsch und Englisch. Unterstützt wurden sie von drei Mitarbeitern der Ganztagsbetreuung und zwei Schulsozialarbeitern. Sponsoren stellten sicher, dass das Angebot für die Familien der Schülerinnen und Schüler komplett kostenlos blieb.

Das Sommercamp ist eine Premiere. Es stand im Zeichen der Ostercamps, die das Kultusministerium in der Vergangenheit als Vorbereitung auf die Prüfungen im Haupt- und Realschulbereich ermöglichte. Die Hattersheimer Gesamtschule hatte sich bisher nie an den besonderen Lern-Tagen im Frühjahr beteiligt. Stattdessen sei der Prüfungsstoff während einer Projektwoche im Januar durchgenommen worden, erläutert Centa Junghans. Das Sommercamp wollte sich die Hattersheimer Schule in Corona-Zeiten jedoch nicht entgehen lassen. Centa Junghans spricht von einer "Weichenstellung". Das zusätzliche Angebot während der Sommerferien biete die Gelegenheit, Stoff nachholen, der in den vergangenen Monaten beim Lernen zu Hause zu kurz kam. Mit 45 Teilnehmern habe man das Feld bewusst klein gehalten, um das neue Konzept zunächst an der Schule zu testen.

Die schulfreie Corona-Unterbrechung hat ihre Spuren hinterlassen: Einige Schüler hätten nach der Rückkehr Probleme gehabt, schriftlich zu Multiplizieren, erinnert sich Jonas Gräf. Vielen sei es zu Hause auch schwer gefallen, ihren Tagesablauf zu strukturieren. Außerdem habe es für manche der schulpflichtigen Jugendlichen in heimischer Umgebung keine Gelegenheit gegeben, Unsicherheiten zu klären. "Da fehlte einfach der Austausch", sagt Gräf. Der Pädagoge hat den Eindruck, dass der Großteil der Schüler froh war, wieder etwas zu lernen. Centa Junghans räumt ein, dass die Teilnehmer des Sommercamps unterschiedlich motiviert gewesen seien. Es habe auch Fälle gegeben, in denen der Nachwuchs von den Eltern in die Schule geschickt wurde.

Die Leiterin des Realschul-Zweiges erläutert, warum das Camp bewusst in der letzten Ferienwoche ausgerichtet wurde. Damit habe die Schule den Mädchen und Jungen die Rückkehr in den bevorstehenden Unterrichts-Rhythmus erleichtern wollen. Los ging es an jedem der vier Tage mit einem gemeinsamen Frühstück um 8.30 Uhr. Bis zum Abschluss um 15 Uhr folgten drei Unterrichtseinheiten, die durch Mittagessen und pädagogische Freizeitangebote unterbrochen wurden. Da nicht immer alle 45 Kinder erschienen, sei es teilweise möglich gewesen, mit zwei Lehrkräften in einer Gruppe von nur 13 Schülern zu unterrichten, erzählt Centa Junghans. Dies ermöglichte ein "sehr intensives Lernen." Zum Vergleich: Im normalen Schulalltag werden 28 Schüler von einer einzigen Lehrkraft betreut.

Die Zufriedenheit mit dem Sommercamp könnte dazu führen, dass die Heinrich-Böll-Schule in Zukunft auch am Ostercamp teilnimmt. Die Leiterin des Realschulzweiges spricht von einem "Testlauf". Im Anschluss an die vier Tagesprogramme dieser Woche konnten die Schüler Rückmeldung geben und das Konzept bewerten. Auch die Pädagogen werden ihre Erfahrungen im Anschluss auswerten. "Es sieht gut aus", meint Jonas Gräf. Die Projektwoche im Januar könnte dann mit anderen Inhalten gefüllt werden.

Sascha Kröner