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Rechtsruck in Brasilien – Schülerinnen und Schüler diskutieren mit dem brasilianischen Autor Luiz Ruffato

Am 15.10.2019 war der brasilianische Autor Luiz Ruffato mit seinem Übersetzer Michael Kegler zu Gast in der gymnasialen Oberstufe der Heinrich-Böll-Schule. Nach der Begrüßung der Gäste und einigen Informationen zur Vita Herrn Ruffatos durch den Schulleiter, Herrn Dr. Heither, erhielten die Schüler*innen das Wort.

Die PoWi-Leistungskurse der Stufen Q und Z hatten sich im Vorfeld mit der politisch-ökonomischen und gesellschaftlichen Situation Brasiliens beschäftigt und die Teilnehmer*innen der Diskussionsrunde durch entsprechende Power Point-Präsentationen auf einen gemeinsamen Informationsstand gebracht. So erfuhren die Zuhörer*innen wie das politische Wahlsystem in Brasilien funktioniert und wie der Rechtspopulist Jair Bolsonaro zum Staatspräsidenten gewählt werden konnte. Ferner wurden auch die aktuellen Waldbrände im Amazonasgebiet thematisiert.

Nach den Präsentationen wurde Herr Ruffato zu Wort gebeten. Er lobte zunächst die gelungenen Beiträge der Oberstufenschüler*innen und die Bereitschaft sich außerhalb des Lehrplans mit dem Thema Brasilien beschäftigt zu haben. Anschließend erklärte er, wie sich der Rechtsruck in Brasilien durch die Wahl Jaire Bolsonaros auf den Alltag der Menschen auswirkt. Viele Brasilianer seien sehr desinteressiert an der Politik, ihre Haltung sei tendenziell resignativ. Gegner der Regierung werden sanktioniert, so werde er als Autor im Land ignoriert, wenn man davon absieht, dass in Brasilien ausgesprochen wenig gelesen wird. Das Bildungsniveau sei sehr niedrig, die staatlichen Schulen seien qualitativ sehr schlecht und die Privatschulen könnten nur von Kindern zahlungskräftiger Eltern besucht werden. Als erschreckendes Beispiel dafür, wie die Meinungsfreiheit in Brasilien unterdrückt werde, nannte er die Tatsache, dass es undenkbar sei, eine solche Diskussion wie an der HBS in seinem Land an einer Schule zu führen. Er sensibilisierte uns dahingehend, die Privilegien der kostenlosen und flächendeckenden Schulbildung sowie der Meinungsfreiheit nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen, sondern durchaus wertzuschätzen.

Das Publikum war sehr aktiv und stellte Herrn Ruffato viele Fragen, die von Herrn Kegler übersetzt wurden. Dadurch war ein guter kommunikativer Austausch möglich. Dem Autor gelang es, die Aufmerksamkeit des Publikums zu erhalten, indem er interessante Informationen und Einblicke über sein Leben und sein Land gab, vor allem aber überzeugte er auch durch seinen Humor. Auf die Frage, wie Deutschland Brasilien wirtschaftlich helfen könne, antwortete er, dass die Deutschen durch ein 7:1 bei der Weltmeisterschaft dazu beigetragen hätten, sein Land emotional vorübergehend ins Elend zu stürzen und demzufolge eine gewisse „Mitschuld“ an der wirtschaftlichen Misere des Landes trügen. Die Frage wurde selbstverständlich auch ernsthaft diskutiert und so verging die Zeit wie im Flug

für alle Beteiligten. Der Besuch des Schriftstellers wird sowohl Schüler*innen als auch Lehrer*innen sowie anderen Anwesenden in Erinnerung bleiben. Auch für Herrn Ruffato und Herrn Kegler war die Begegnung und der Austausch mit uns ein Erlebnis.