Fahrt des Profilbildungskurses Geschichte nach Terezin
Im Rahmen unseres Profilbildungskurses Geschichte in der 11. Klasse begaben wir uns in der ersten Februarwoche zusammen mit Herrn Göppel und Frau Dr. Strathmann auf eine bewegende Reise nach Tschechien. Ziel unserer mehrtägigen Exkursion war die Gedenkstätte Theresienstadt - ein Ort, der uns nicht nur historisches Wissen vermittelte, sondern auch tiefgehende Eindrücke hinterließ.
Am Tag unserer Ankunft begrüßte uns ein märchenhaft verschneites Städtchen, umringt von massiven Mauern. Während unserer Seminare lernten wir viel über die Geschichte dieses Ortes, insbesondere während der NS-Zeit, erfuhren aber auch, dass es sich ursprünglich um eine Festungsanlage aus dem 18. Jahrhundert handelte.
Anstatt einer klassischen Stadtführung wurden wir selbst zu Experten: In Kleingruppen erhielten wir den Auftrag, eigene Rundgänge zu bestimmten Orten in Theresienstadt zu planen. Wir recherchierten, setzten uns mit den historischen Fakten auseinander und überlegten uns, wie wir unseren Mitschülern die Inhalte am besten vermitteln können. Es war eine spannende Herausforderung, die Perspektive zu wechseln und eine Führung selbst zu gestalten, statt nur zuzuhören.
Am Dienstag hatten wir die Gelegenheit, die Stadt noch einmal selbst zu erkunden. Zu den Orten, die wir besuchten, gehörten unter anderem das Ghetto-Museum, welches während der NS-Zeit als Mädchenheim fungierte, oder das Krematorium auf dem Gedenkfriedhof.
Später besuchten wir die Kleine Festung – einen Ort, an dem zur Zeit des Zweiten Weltkriegs Gefangene der Gestapo untergebracht waren. Hier sahen wir hautnah die Schrecken dieser Ära, lernten aber auch einiges über die ursprünglichen Zwecke der Festung bei ihrer Erbauung um 1790.
Ein weiteres wichtiges Element war unser Tagesausflug nach Prag. Dort besuchten wir gemeinsam eine Filmvorführung zum Heydrich-Attentat und hatten anschließend Zeit, die Krypta zu sehen, in der viele Widerstandskämpfer ihr Leben verloren.
Danach hatten wir die Möglichkeit, die Stadt zu erkunden - für viele von uns ein besonderes Highlight der Fahrt. Einige trieb es in die größten Einkaufszentren vor Ort, andere eher in Museen und zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Prag hatte für alle etwas zu bieten!
Ein emotionaler Höhepunkt war das Gespräch mit der Zeitzeugin Michaela Vidláková. Sie kam mit gerade einmal sechs Jahren in das Ghetto Theresienstadt und berichtet jungen Menschen bis heute von ihren Erlebnissen. In einem Videoanruf teilte sie ihre Geschichte mit uns: Sie sprach über die Schrecken der Vergangenheit, sprach Warnungen vor solchen Taten aus und formulierte Wünsche an unsere Zukunft.
An unserem letzten Tag organisierte der Kurs eine kleine Gedenkveranstaltung für alle Opfer des Holocausts. Wir kauften Kerzen und zündeten diese gemeinsam am Stadtbrunnen, um ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.
Diese Reise hat uns nicht nur als Kurs enger zusammengebracht, sondern uns auch gezeigt, wie wichtig die aktive Auseinandersetzung mit unserer Geschichte ist.
Ein besonders herzlicher Dank geht an Lena Kögler und Florian Markmann von “Arbeit und Leben Hessen”, die uns als Teamende begleitet und diese intensive und lehrreiche Exkursion ermöglicht und organisiert haben.
Von Hannah Oetzel und Helin Sicacik