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Kleine Vernissage für junge Künstler Schüler stellen ihre Werke aus dem Kunstunterricht in der Taunus Sparkasse aus - Hattersheimer Stadtanzeiger vom 22.12.2016

HATTERSHEIM (ak) - Seit einigen Jahren gibt es in der Hattersheimer Filiale der Taunus Sparkasse eine ganz besondere Tradition: Filialleiterin Eva Knapp und ihr Team stellen im Winter das Treppenhaus und den ersten Stock ihres Hauses Schülern aus Grund- und Leistungskursen im Fach Kunst der Heinrich- Böll- Schule (HBS) zur Verfügung, um die im Unterricht oder auch zu Hause von ihnen gefertigten Kunstwerke auszustellen und den Kunden der Sparkasse zu präsentieren.

Wie in jedem Jahr seit 2011 wurde die Ausstellung mit einer kleinen, von Eva Knapp liebevoll ausgerichteten Vernissage eröffnet, zu der die Schüler ihre Mitschüler, Lehrer, Eltern, Verwandte und Freunde eingeladen hatten. Selbstverständlich waren auch Kunstlehrerin Vera Bourgeois und Dr. Dietrich Heither, der stellvertretende Schulleiter, gerne zur Ausstellungseröffnung gekommen.

Eva Knapp hatte gleich zu Beginn der Vernissage eine Überraschung für den stellvertretenden Schulleiter: Sie überreichte ihm einen Scheck über 250 Euro für den Förderverein der HBS – was nicht nur bei ihm ein strahlendes Lächeln auslöste, sondern auch Beifall bei den jungen Künstlern und ihren Gästen. Dr. Heither bedankte sich nicht nur für die Spende, sondern auch für die Möglichkeit, die die Taunus Sparkasse den Schülern gibt, ihre Kunstwerke in ihrer Filiale auszustellen. „Kunst ist wohl kein Lehrbereich, der hilft, reale Probleme zu lösen, er gibt aber den Schülern die Möglichkeit, die Dinge aus ihrer eigentlichen Situation herausgelöst zu betrachten – so kann auch Kunst dazu beitragen, dass Probleme bewältigt werden. Es ist für unsere Schüler ein großer Luxus, im Kunstunterricht selbst kreativ sein zu können, anders als in anderen Unterrichtsbereichen“, betonte Dr. Heither, wie wichtig dieser Unterrichtsbereich für seine Schüler ist.

„Wir eröffnen diese Ausstellung immer ganz bewusst in kleinem Rahmen, weil wir den Schülerinnen und Schülern hier die Möglichkeit geben wollen, das erste Mal sich und ihre Werke anderen Menschen vorzustellen – das ist gar nicht so einfach und fällt hier unter Mitschülern und Eltern sicher leichter, als vor vielen fremden Menschen“, erklärte Eva Knapp in ihrer Begrüßung. „Aber diese kleine Runde eröffnet ihnen große Möglichkeiten: Schon einige Male haben Kunden, die die Werke hier bei uns gesehen haben, über die tollen Bilder gestaunt. Manchmal lesen sie auch von dieser Ausstellung in der Zeitung und kommen dann extra mal hierher, um sie sich anzusehen; es wurden auch schon einige Kontakte zwischen Interessenten und jungen Künstlern vermittelt, und manche Bilder sind so schon verkauft worden und sind jetzt in einem Hattersheimer Wohnzimmer zu sehen.“

Vera Bourgeois berichtete stolz, dass etwa dreißig Schülerinnen und Schüler an der Vorbereitung der Ausstellung teilgenommen haben – und das in der Abitur-Zeit. Gezeigt werden in der Taunus Sparkasse nun zahlreiche Bilder, Fotografien und auch Architektur-Modelle, auf der Vernissage wurde auch eine sehr beeindruckende Foto-Vorführung gezeigt. Ganz besonders stachen dabei etwa die wunderbaren „Iris-Fotografien“ von Merve Görgülü hervor. Auch der Ansatz von Lena Neuß, mit einem „Model“ mit verbundenem Gesicht die Idee unserer Gesellschaft, dass „jeder 'anders' sein möchte, aber keiner 'anders' sein darf“, umzusetzen, fand große Beachtung und regte zum Nachdenken an. „Damit wollte ich aufzeigen, wie man ist und wer man ist, was man fühlt“, erklärte die junge Künstlerin, „das 'Schöne' in unserer Gesellschaft wird durch die Maske entstellt – die Körperhaltung soll ausdrücken, was die Person an der Stelle gerne machen würde, aber nicht machen kann.“ Weitere sehr gute Schüler-Fotografien zur Jugendkultur, solche die Lichtreflexe oder Berührungen einfangen, waren ebenfalls zu sehen. Ein Thema der HBS-Kunstkurse im letzten Jahr war Architektur, Vera Bourgeois und ihre Schüler hatten daher auch zahlreiche detailliert ausgearbeitete, zukunftsweisende Hausmodelle mitgebracht. „Mit der Zeit werden bei uns etwa begrünte Dächer an vielen Orten ein Muss – genau diese Ansätze sind schon in fast allen Modellen meiner Schülerinnen und Schüler berücksichtigt“, erklärte die Kunstlehrerin zufrieden auf die Arbeiten blickend. Mit den Modellen hatten die Schüler die  Möglichkeit, ihre ganz persönliche Vorstellung von ihrem eigenen Raum, in dem sie leben möchten, zu verwirklichen, dabei spielten Natur und Umwelt ganz offensichtlich eine sehr große Rolle. Orientierung gab ihnen zuvor im Unterricht ein Überblick über die verschiedenen architektonischen Stilrichtungen. Je nachdem, in welcher Umgebung die „Hausherren“ und „Hausherrinnen“ sich ihr zukünftiges Zuhause wünschten, waren die Häuser auf ihre Umgebung perfekt eingestellt: Ein Schüler präsentierte ein „Stadthaus“, welches wenig Grundfläche braucht, weil es seine Räume übereinander angeordnet hat, ein anderer Schüler modellierte seinen Traum von einem „Waldhaus“, welches mit großer Fensterfront die Natur quasi in sich hineinziehen würde, eine Schülerin baute ihr Traumhaus direkt in die Felsen eines Berges, auch Hausboote wurden geplant. Selbstverständlich waren die meisten Hausmodelle auch perfekt eingerichtet, sogar der Garten war oft schon geplant. „Das war ein spannender Umgang mit den Materialien“, erinnerte sich Vera Bourgeois und schmunzelte weiter: „Und dabei haben manche Schüler auch das Modelleisenbahngelände ihrer Familie dafür geplündert“.

Viele junge HBS-Künstler können die Werke aus ihrem Unterricht nun in der Filiale präsentieren. (Foto: A. Kreusch)

Bei der Vorstellung ihrer Bilder schilderten einige Schülerinnen, welche Rolle die Malerei oder das Zeichnen für sie dabei spielt, mit ihren Gefühlen umzugehen. „Bei meinen 'Kritzelbildern' fange ich oft einfach mit einem Stift oder Kugelschreiber an, je nachdem, ob ich wütend bin oder nicht, werden die entstehenden Gesichter dann mehr oder weniger wild'“, erzählte etwa Merve Görgülü bescheiden zu ihren sehr erstaunlich schönen Werken, andere Künstlerinnen berichten davon, wie sie zur Ruhe kommen oder ihre Einsamkeit verarbeiten, wenn sie beginnen zu malen oder zu zeichnen.

„Es ist einfach immer wieder so schön zu sehen, wie sich so ein Talent entfaltet“, drückte Kunstlehrerin Vera Bourgeois anerkennend ihre Freude an ihrem  Beruf und der Arbeit mit jungen Künstlern aus. Wenn man den Enthusiasmus erlebt, mit dem die Schülerinnen und Schüler ihre Werke vorstellen,  kann man diese Freude sehr gut nachvollziehen.

 

Dr. Dietrich Heither, der stellvertretende Schulleiter der Heinrich-Böll-Schule, freute sich über die Ausstellung sowie die Spende der Taunus Sparkasse, die Filialleiterin Eva Knapp dem Förderverein der Schule zukommen ließ. (Foto: A. Kreusch)